Standrock #6

Standrock #6
Samstag | 31. März 2018 | 19:00 Uhr


Dieses Mal präsentieren wir euch:

▶ Kaffkönig
▶ Kind Kaputt
▶ Astra van Nelle & der lorbeerstorch

Rockmusik hat viele Gesichter – Standrock vertritt den Anspruch, sein Publikum mit diesen bekannt zu machen. Von den Veranstaltern live entdeckte Bands gestalten Abende mit ihrer Kunst und führen durch die facettenreichen Spielarten handgemachter Musik.

Laut und mahnend sind viele Bands in Deutschland. Doch nur wenige schlagen mehr Brücken zwischen Schmerz und Verlust, Aufbäumen und Hoffnung, Härte und Gefühl sichtbarer, spürbarer und einfühlsamer als KAFFKÖNIG. Gezeugt wurde das Duo um den Einen an Gitarre und Mikrofon und den Anderen am Schlagzeug im lauwarmen Schmelztiegel ländlicher Chuzpe und gutbürgerlicher Systemwut, die man in der Luft ihrer beschaulichen Heimat fast schon schmecken kann. Genau von dort kommen sie nämlich. Dort, wo es bedeutet kämpfen zu müssen, wenn man anders sein möchte. Wo das „wahre Ich“ oftmals zwischen EichenholzTheke, Nachbarschaftsdramen und pünktlichem Einschalten zum sonntäglichen Tatort fast schon leblos dahinsiecht. Du siehst also: KAFFKÖNIG kennen das und dich und zeigen diesem Gefühl mit Indie‘eskenPunk-Hymnen und tief schürfenden, jedoch nie floskelhaften, Texten die geballte Faust. Lediglich bewaffnet mit einer sägenden Gitarre, einnehmenden Schlagzeug-Motiven und einer Stimme, die Stimme für Gleichfühlende sein möchte.

Wenn die Lösung nur aus Akzeptanz besteht, dann wollen wir kein Teil davon sein. Kind Kaputt ist die Flucht vor dem Gefühl, genügen zu müssen. Ein Weg ohne greifbares Ziel, aber mit einem klaren Bild von den Dingen, die uns widerstreben. Johannes, Konstantin und Mathis spielen laut und verzweifelt. In einem Augenblick erstickend vor Wut und im anderen versinkend in endloser Melancholie. Der Schrei eines Kindes als die urtümlichste Form des Protests. Wo kommen wir an, wenn wir aufhören zu widersprechen? Selbst wenn unsere Zweifel nur die Meinung der Einzelnen bleiben, dann haben wir es zumindest versucht.

Hinter ‚Astra van Nelle & der lorbeerstorch‘ verbergen sich leidenschaftlich ausgespuckte Ausrufezeichen. Das deutschsprachige Akustik-Punk-Duo widersetzt sich den gängigen Normen des Singer/Songwriter-Genres, in dessen Schublade es aufgrund der schmalen Besetzung immer wieder vermutet wird. Mit Gitarre, Cajon und Stimmbändern bewaffnet, gehen die zwei Heidelberger überzeugend ungezwungen zu ihren Songs ab und hinterlassen einen Geruch nach Schweiß und Freiheit.
Der Text und die Message sind in diesem Fall keinesfalls trivial. Mit einem kritischen Blick auf die Gesellschaft stöbern die Songs Widersprüche im Denken und Handeln der Menschen auf und verpassen es nicht, auch den Blick in den Spiegel zu werfen. Doch was unterschwellig schwermütig klingen mag, muss oberflächlich nicht schwermütig sein. Der Kater kommt eben erst nach der Party.

AK: 8€ / Ermäßigt 6€